Ein Schritt zu viel - Evelyne Stein - Fischer

Jenny mag ihren Freund Alex sehr, doch manchmal stößt sie ihn von sich, kann seine Berührungen kaum ertragen. Er versteht ihr seltsames Verhalten nicht und trennt sich im Laufe der Zeit. Da ist auch noch Nick, ein guter Kumpel, aber es wird schnell klar, dass die Beiden ineinander verliebt sind. Da ist noch ein Junge, den Jenny kennenlernt, ein sehr vernünftiger Junge, er sagt, er will und wird ihr nicht zu nahe kommen, da er Angst hat vor ihren Gefühlen und ihren Verletzungen. Alle Menschen in ihrem Umfeld ahnen, dass etwas passiert sein muss, jeder durchschaut ihr aufgesetztes Lächeln, lächelt sie allerdings nicht, macht sie die Erfahrung, dass entweder bohrende Fragen auf sie einschlagen oder sie nicht gemocht wird. Von ihrer Oma erfährt sie, dass auch ihre Mutter bereits ein solch verschlossenes Verhalten an den Tag legte. Jennys Mutter mag keine Berührungen, sie sagt es den Kindern auch, ich kann euch nicht so drücken oder küssen wie andere Eltern es tun würden, aber ich habe euch lieb. Es gibt zwei Versuche, beim dritten, einem gemeinsamen Joggingausflug im Wald, schafft es die Mutter sich zu öffnen, erzählt Jenny von ihrer ersten Liebe und das sie schwanger wurde. Der Typ ließ sie sitzen, sie verlor das Kind. Jenny schafft es erst, sich einer Psychologin zu öffnen. Erzählt von Chris, dem Freund ihres Bruders, der ihr von Liebe erzählte und sie in einem Bootshaus mehr oder weniger vergewaltigte. Sie schafft es durch die Therapie, sich mit Chris auszusöhnen, obwohl er nicht mehr in Deutschland lebt. Sie schafft es, die Wut auf ihn zu verlieren. Am Ende finden sie und ihr Kumpel Nick zusammen. Ich finde das Buch gut, denn es dramatisiert den Übergriff nicht, spielt ihn aber auch nicht herunter. Es zeigt mal wieder, dass Kinder häufig ins gleiche Hamsterrad wie die Eltern rutschen und manchmal die Eltern erst durch die Kinder heraus kommen. Das Buch macht Mut zum Reden, falls einem ähnliches widerfahren ist. Außerdem ist es jugendgerecht geschrieben.

21.10.14 19:34, kommentieren

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Mein Mann hat eine Jüngere - Charles und Doris Carmen Mayer

Heute habe ich dieses Buch gelesen. Unter anderen. Aber schon der Untertitel lässt mich etwas schlucken. "Wenn Männer außer Kontrolle geraten". Also bedeutet eine Ehe oder Beziehung, dass man den Mann unter Kontrolle hat? Ich war mit dem Buch nicht sehr zufrieden, allgemein nicht. Irgendwie erinnert mich das alles so ein bisschen an die 90er Jahre, bzw das, was ich davon erzählt bekomme und gelesen, denn ich bin selbst erst 1992 auf diese Welt gekommen. Auf einer Seite ziemlich am Anfang findet man eine Aufzählung, der 5 Dinge, die zu diesem Desaster führen können. Da seien zum Einen verdrängte Wünsche nach sexuellen Erfüllungen. Die tief verwurzelte Polygamie der Männer und die Kränkung des Mannes durch die Geburt der Kinder, da die Frau dann in eine andere Rolle schlüpft und die Kinder dem Mann vorzieht. Also doch auch ein Problem der Frau, denn wenn ich mich entscheide, Mutter zu werden, muss ich trotzdem bereit sein, weiterhin Partnerin zu sein. Also ich entscheide mich hiermit für eine Doppelrolle. Bin ich dieser nicht gewachsen, sollte ich mich nur für eine entscheiden. Das heißt, Sorry Schatz, ich will ein Kind aber du passt nicht mehr dazu. Also von vorn herein klar Schiff machen. Version zwei ich merke als Frau, ich wollte zwar zwei Lebensrollen haben, kann aber doch nur eine spielen, so muss ich im Nachhinein im Sinne aller, sprich Kind(er) Mann und mir eine Entscheidung treffen, die dann wäre Sorry Schatz, ich bin lieber Mutter als Frau - wir müssen eine Lösung finden. Diese wäre die Trennung, die Kinder bleiben bei ihr, oder ein Freifahrtsschein für ihn, dass er sich, ganz ohne schlechtes Gewissen und mit gemeinsamen Regeln, zu Hause versäumtes woanders holen kann. Soweit mein Statement dazu. Zwei weitere Gründe, die das Buch beschreibt, sind zum Einen die Verlockung von der Partnerin zur Tochter zu wechseln und die Krise in der Mitte des Lebens. Naja ich erspar mir jetzt mla, noch einen ausführlichen Kommentar dazu abzugeben. Als erstes Rät mir das Buch, ich solle Einsichten haben gegenüber meines Mannes, der mich angenommen verlassen hat für die Jüngere. Ok. Ich soll also folgendes "einsehen": Es lockt das neue frische Leben, das Versprechen auf eine Verjüngerungskur. Ahja, also zu deutsch er wird mit einer anderen wohl jünger? Ich finde, er rückt sich noch mehr in die Rolle des "Alten" der mit der Jungen geht. Männer sind bezaubert von der Jungen, das Gefälle in Hinsicht Alter, Ausbildung, Finanzen und Status ist stark. Ja ist es dann denn immer? Ist es nicht eher so, das die Junge ihm intellektuell teilweise überlegen ist? Ist es wirklich so, das er mehr Geld hat und einen höheren Status was passiert dann? Sie gewinnt an Status, eventuell eine Beförderung und hat finanzielle Einsparungen durch gesponserte Essen und Kleidung. Beispielsweise. Und was hat er? Den sozialen Abstieg. Klar, nach vorn herum wird er vll bewundert, weil er das junge knackige Ding hat. Aber alle ordentlichen und gesitteten Menschen werden hinter seinem Rücken reden. Er verliert somit also Ansehen und seine Familie, verliert seinen sozialen Rückhalt, denn die meisten Freunde der Familie werden nun zu der Frau stehen. Er hat finanzielle Einbußen. Ob der Mann nun immer noch bezaubert ist? Die Mutter und Vaterbindung des Mannes spielt eine Rolle. Ok das kann ich mir noch vorstellen, sollte aber, wenn die Liebe zur Frau echt ist, lieber mit ihr oder mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten sein. Von Hormonen überschwemmt kann Mann nicht mehr rational denken. Aha... Frauen haben auch Hormone, jeder Mensch hat Hormone. Und sollte trotzdem rationales Denken mit sich bringen. Ich kann doch auch nicht jemanden umbringen - Ups sorry waren meine Hormone. Männer sind in diesen Situationen selbstreflexiv. Beratung brauchen sie keine, ihnen geht es nun ja gut. Ja ok, aber würden Frauen nicht ebenso reagieren? Kann man dieses Verhalten nur auf Männer projizieren? Innehalten und nichts überstürzen wäre eine gute Devise, schreibt das Buch weiter. Ok - wann soll ich oder er innehalten? Wenn sich Probleme auftun, wenn er sich verliebt, wenn er gerade bei IHR ist oder wenn er schon fremdgegangen ist? Leider werden in dem Buch mehr Fragen gestellt als beantwortet. Etwas weiter im Buch stehen dann die 4 Phasen, die eine verlassene Frau nun durchmacht. Die Nicht-wahr-haben-wollen Phase, die Aufbrechende-Emotionen-Phase, die suchen-finden-sich-trennen- Phase und die des neues Selbst- und Weltbezuges. Nun gut, dass das so verallgemeinert wird, stört mich. Dieses Buch beschreibt an jeder Stelle alles so, als gäbe es keinen anderen Weg. Es ist so, wie es da steht und pasta. Wieder folgt nach einigen Seiten ein "Einsichten-Kasten". Frauen arbeiten an ihren Beziehungen - oft bis zum bitteren Ende, nach dem Motto - die Hoffnung stirbt zuletzt. Unklar, denn hätten sie gearbeitet, wäre es nie so weit gekommen. IMMER sind zwei Schuld, definitiv immer. Und wieso arbeitet denn Frau erst jetzt? Geld kann zum Machtbezug werden, der Beizug einer Rechtsberatung wird angeraten. Naja von Fall zu Fall sicherlich auch verschieden, aber hier verwendet man wenigstens das Wörtchen "kann" und tut nicht wieder verpflichtend verallgemeinern. Es droht das Hinabgleiten in die Verbitterung, die Verharrung in der Opferrolle. Gut, dem geb ich soweit erstmal Recht. Kann passieren. Aber wurde einige Seiten vorher nicht behauptet, jede Frau würde diese 4 Phasen durchmachen? Dann kann das mit dem Verharren ja gar nicht passieren, ein Glück. Außerdem soll man sich fragen, Wenn Frau Mutter wird, wird sie dann auch zur Mutter des Mannes? Ich erinnere mich da gern an meine Großeltern, mein Opa pflegte Oma meist mit Mutter anzusprechen. Scheinbar lief es dort so ab. Eine schöne Textstelle, eine die ich wirklich gut fande, zitiere ich von Seite 89: ,,Harmonie entsteht nach einer Auseinandersetzung, vielleicht sogar nach einem Streit, auf jeden Fall nach einem Stellungsbezug auf das Eigene, das noch nicht Erfüllte. Dann nämlich können sich beide Pole von Männlichkeit und Weiblichkeit aufladen, und es entsteht eine Spannung, die sich folglich in einer Versöhnung, einer Umarmung, einem Aufbruch zu einem nächsten Projekt oder in leidenschaftlichen Sex entladen kann." Super, seh ich genauso, aus Konflikten kann man wachsen. Nun wieder eine Einsichten Box. Männern fehlt oft der Vater und damit das Vater- bzw Männerbild. Lassen wir das so im Raum stehen. Männer wehren sich gegen die Mutter, manchmal erst in der Person der Ehefrau. Kann man rein psychologisch auch noch nachvollziehen. Aber kann man es nicht professionell angehen, dieses Problem? Eine gute Frau sollte merken, wenn ihr Mann psychologische Hilfe auf Grund von Erlebten benötigt. Bei der Geliebten fühlen sie sich wieder jung und dynamisch, werden zur Vaterfigur. Zur Vaterfigur? Das können sie doch zu Hause an ihren Kindern ausleben - oder lässt die Frau das nicht zu, zieht die Kinder zu sich auf die Seite? Der Mann soll positive Vatereigenschaften wieder entwickeln, beispielsweise Fürsorglichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Neue Box, neue Einsichten. Wenn wir nicht aufpassen, wiederholen wir das Beziehungsmuster unserer Eltern. Oh ja. Es geht nicht um Sex, wenn ältere Männer eine Jüngere nehmen, sondern ums Älter werden. Objektiv betrachtet, ist doch der einzige Gedanke von ihm meist, sie ins Bett zu bekommen und dort möglichst glanzvolle Leistungen zu vollbringen. Aber psychologisch gesehen, ok, lassen wir es halt so stehen. Am Älterwerden der Partnerin erschreckt ihn die eigene Endlichkeit. Wenn man liebt, sollte gerade das gemeinsame Älter werden ein Genuss, eine wunderbare Erfahrung sein. Nächste Einsichtenbox. Jüngere Frauen suchen Sicherheit, ältere Männer suchen Macht. Und die suchen sie, weil sie sie zu Hause versagt bekommen. Also macht doch auch Frau was falsch, wenn Mann der totale Pantoffelheld sein muss. Manchmal steht eine Beziehung von vorn herein unter einem schlechten Stern, dann sollte man sie beenden. Ja das ist glaube ich fast jedem Menschen klar. Aber dann kann das mit der Jüngeren doch garnicht mehr passieren? Der Abbruch der Beziehung als Verweigerung der eigenen Entwicklung. Ja, dann ist die Jüngere auch egal, es könnte dann ebenso eine Ältere oder ein Mann sein. Immer wieder wird betont, dass es schwer wird für den Mann, wenn die Geliebte auf einmal auch wieder Mutter wird. Entweder es wiederholt sich die alte Geschichte, er bricht wieder aus, oder er hat aus seinen Fehlern gelernt und macht nun alles besser, was aber wiederum auch nicht alleine von ihm abhängig ist. Frauen wird nun geraten, also den bereits verlassenen, aus der Opferrolle heraus zu finden und gestärkt in ein neues Leben zu gehen. Sie sollen neue Ziele für ihr Leben definieren. Also wie schon gesagt, das Buch war für mich eine Verallgemeinerung von Klischees, wäre ich eine von den Frauen, hätte ich wohl das Buch heulend weggeschmissen und geschrien, dass ich so schlau auch schon vorher war. Lesenswert- nein danke.

21.10.14 19:16, kommentieren